
Das Schicksal ist etwas, das jeder von uns oft versucht zu ändern und doch daran scheitert. Nur die Nornen sind in der Lage, unser Schicksal zu bestimmen. Dabei können wir oft ahnen, wo uns der Weg hinführt, den die Schicksalsweberinnen für uns bestimmt haben, aber wissen können wir es nicht. In letzter Zeit bemerke ich mehr und mehr, wie sich das Schicksal in eine Richtung dreht, die ich nicht erahnen konnte. Wäre ich dort, wo ich vor einiger Zeit noch glaubte, zum jetzigen Zeitpunkt zu sein, dann wäre ich in meiner Hütte in Fehu Isa mit meinem Weib und meinem Sohn. Heute sitze ich täglich in meiner Hall und begrüße die Gäste. Ich stelle mich den Problemen meines Clans: Einer Gerberin, die sich den Platz über dem Salz wünscht, einem Handwerker, der sich zu beweisen versucht oder einem Waldschrats, der sein Leben aufgrund eines Fluches in den Wald verlegt hat. Auf unserer Insel treiben sich noch immer die Sleens herum, die uns das Leben schwer machen. Ich weiß, dass wir sie jagen und töten werden. Ich weiß jedoch nicht, wie hoch der Preis dafür sein wird. Den kann ich nur erahnen und darauf hoffen, dass Ullr uns in diesem Kampf beisteht. Zumindest glaube ich zu wissen, dass er uns ein Zeichen gesendet hat. Gerade jetzt, wo uns die Jagd bevorsteht, war es Faro, der Jäger der Fehu Isa, der unsere Halle besucht hat.
Wie es das Schicksal so will, brachte er mir die Äxte. Jene, die ich auf der Flucht vor den Sleens verlor, um Linus und mein Leben zu retten. Ich hatte den alten Streithammer von Sören Hammerschwinger getragen, bis er mich mit seinem Fund davon erlöst hat. Ich frage mich, wie Sören dieses Ding nur ertragen könnte als ständigen Begleiter. Allerdings war der Hammer das Einzige, was ich fand, um nicht allein mit einem Bogen und einer Peitsche dazustehen. Ich habe ihn als Andenken an Sören Hammerschwinger in die Hall gehängt. Er lehrte mich viel über den Kampf und ich kann nicht sagen, ob ich viele meiner Kämpfe ohne sein Training bestanden hätte.

Natürlich bieten mir die Nornen noch mehr Prüfungen. Eine dieser Prüfungen ist mein kleiner Larl. Die Bondmaid mit dem frischen Brand, die nicht müde wird, mich herauszufordern. Ihr Brandmal hat sie eingeschränkt, aber so langsam durfte sie auch die ein oder andere Arbeit übernehmen. Abgesehen davon, dass ich es leid bin, mir ihre ständigen Widerworte anzuhören, reizt sie mich. Bislang hat sie die frische Wunde bewahrt. Vielleicht liegt es an ihrer Haut, ihrem durchaus bemerkenswerten Verstand oder einfach daran, dass sie frecher ist als die anderen Sklavinnen, ich weiß es nicht. Doch je mehr sie mich reizt, umso mehr könnte ich sie nach Hel jagen. Sie muss noch vieles lernen und ich werde sie früher oder später auf den richtigen Weg bringen, doch ihr sturer Boskkopf macht es mir nicht einfach. Der Zeitpunkt ist jedoch gekommen und das Spiel hat ein Ende. Es ist gut, eine Heilerin in der Nähe zu haben, die ihre Wunde begutachten kann und die Heilerin vom Draugr Fjord war so gütig, sie anzusehen. Jetzt weiß ich, dass es keine Schonung mehr geben wird. Ich werde sie so sehr schuften lassen, dass sie mich anbettelt, in die Felle kriechen zu dürfen. Sie weiß es noch nicht, aber außer Arbeit wartet nicht viel auf sie, das schmerzlos ist. Erst wenn die Arbeit getan ist, darf sie in die Hall und erst wenn dort die Arbeit getan ist, wird sie Erholung finden. Sie glaubt, das alles hat ein Ende. Armes Ding. Wann wird sie endlich einsehen, dass sie an meiner Seite bis ans Ende ihrer Tage leben wird?

Sie weiß, dass es kein Entkommen von der Insel gibt und eines muss man ihr lassen. So widerspenstig sie auch ist, sie erkennt die Arbeit und tut sie. Ich sehe sie oft Reisig in die Hall bringen und Geschirr abräumen. Arbeit, die sie eigenständig erkennt und ohne zu zögern vollführt. Ich sehe auch, dass sie sich ihrer Kleider entledigt, sobald sie die Hall betritt. Kleine Erfolge, aber immerhin Fortschritte. Sobald ich mich ihr aufdränge, merke ich, dass sie gefügig wird, sich mir fast hingibt. Hat sie mich an unserem ersten Tag noch mit meiner Axt bedroht, glaube ich zu spüren, dass sie meine Nähe sucht und sich dennoch dagegen wehrt. Mein kleiner Larl. Damit hatte ich nicht gerechnet, aber der Körper sagt mehr als tausend Worte.

Wichtiger als die richtige Erziehung einer Bondmaid ist die Sicherheit des Clans. Bei Odin, ich bin froh den Waldschrat an meiner Seite zu wissen. Fände ich doch nur einen Weg, seinen Fluch zu brechen und ihn in den Clan der Eisenbrecher aufzunehmen. Er hat sich als äußerst wertvoll herausgestellt. Er ist ein erfahrener Krieger und Jäger. Ich respektiere diesen Mann wie kaum einen anderen und gerade bei der Sleensache stellt er sich als fähiger Kerl heraus. Während der Jagd werde ich Skar prüfen und beobachten. Für ihn ist ein Platz dicht an meiner Seite vorgesehen, doch muss ich wissen, ob er die Fähigkeiten und Instinkte besitzt, die ein Huskarl braucht. Gerade bei der Jagd werden wir alle unser Können an den Tag legen müssen, um Verluste zu vermeiden oder zumindest gering zu halten. Ich hoffe, die Asen zeigen mir eines Tages den Weg, ihn von seinem Fluch zu befreien und ihn zu einem Eisenbrecher zu machen. Er scheint es nicht zu bemerken, doch er ist ein Segen für unsere Insel und den Clan. Die einzige Schwäche, die ihn zu treffen scheint, ist der große Busen einer Bondmaid, aber damit kann ich leben. Sehr gut sogar.

Die letzten Tage haben uns viele Segen der Nornen beschert. Doch hier haben sie sich selbst übertroffen. Ein Clan suchte eine Unterkunft über Tage und ich bin stolz ihnen die Gastfreundschaft gegeben zu haben. Einem alten Drengr wie Jarl Halvar vom Clan von Draugr Fjord einen sicheren Ort zu bieten, sollte jedem eine Ehre sein. Ich kenne viele dieser Krieger aus alten Tagen. Sie sind aus der Zeit meines Vaters, den ich im Duell nach Valhalla entsandte. Der alte Knabe ist fast blind und kämpft sich im Wettkampf auf den dritten Platz. Das kann ich respektieren. Er erklärte sich ohne zu zögern bereit mir im Kampf gegen die Sleens beizustehen und wäre er mit seiner Sehkraft noch fähig einen Bogen richtig zu führen, so hätte ich zugestimmt. Jedoch wird es nicht sein Kampf sein. Ich bin bereit seinem Ruf zu folgen, wann immer er meine Hilfe benötigt. Ich war selten so beeindruckt von einem Drengr wie von diesem. Es wäre mir eine Ehre ihm zu folgen. Doch auch seine Heilerin hat Großes bei uns vollbracht. Ich sehe einen Clan, der zusammensteht in jeder Lage. Ein Clan, dessen Freundschaft zu den Eisenbrechern durch ein Band aus Ehre und Zusammenhalt geschmiedet wurde. Haben die Nornen ihnen einen sicheren Hafen auf der Eiseninsel beschert, haben sie mir einen Freund und eine Retterin in der Not verschafft. Asha, die Heilerin in Halvars Clan, deren Tat ich nie vergessen werde und nicht genug vergelten kann.

Die Weberinnen des Schicksals haben einen seltsamen Humor. Das Schönste, was sie mir schenken konnten, ließ mich die Heilerstube verwüsten und die Tür der Hall aus der Verankerung reißen. Plötzlich schien es mir die schwierigste Aufgabe zu sein, warmes Wasser und warme Tücher zu holen. Während mein Weib im Bett lag und sich mein Sohn in die Welt kämpfte. Zu früh und doch ist er gesund. Es war ein Kampf und wäre Asha nicht gewesen, wäre ich wohl kläglich gescheitert. Ich wollte mich lieber einer Horde Piraten oder den Sleens im Wald alleine stellen, als so hilflos vor meinem Weib zu stehen und dabei daran zu scheitern, meinen Sohn zur Welt zu holen. Ich hätte Asha in jener Nacht küssen können, hätte ich damit nicht ihre Ehre in Gefahr gebracht. Dank ihr kann ich Vignar nun meinen Sohn nennen. Ein kräftiger kleiner Krieger mit dunkelrotem Haar wie das seiner Mutter. In seinen Adern fließt das Blut der Ragnadal vermischt mit dem Blut der Feuerbringer unter dem Namen der Eisenbrecher. Ich sehe ihn an und meine Brust füllt sich mit Stolz. Einem Stolz, der so tief sitzt wie ich ihn nie zu fühlen vermochte. Ob mein Vater diesen Stolz spürte, als er mich zum ersten Mal im Arm hielt? Wahrscheinlich hasste er mich damals schon. Sein Sohn aus der Gebärmutter eines Südwurms. Vignar jedoch werde ich nicht verstoßen. Ich habe bereits den Waldschrat gebeten, ihn eines Tages in der Jagd auszubilden, von mir wird er das Brauen lernen und jene Lektionen im Kampf, die mich einst Sören Hammerschwinger lehrte.

Oft sind es die kleinsten Begegnungen, die unsere Richtung verändern. Kleine Momente, die uns zeigen, wer wir sind und was wir wollen. Manchmal sind es auch nur kleine Begebenheiten, die uns als große Ereignisse erscheinen. Sie alle zeigen sich uns auf unterschiedliche Weise. Ein Weib, das einen langen Weg gehen musste, um ihren Gefährten und den Vater ihres Kindes zu treffen. Ein verfluchter Krieger, dessen Fluch einen Clan vor einer Gefahr warnt. Ein Clan, der Unterkunft findet und Freunde gewinnt. Eine Heilerin, die einem Jarl Befehle erteilt und dessen Sohn zur Welt holt. Die Schicksalsweberinnen weben viele Knoten und so manche meine ich zu erkennen. Ich frage mich, was uns jene bringen werden, die ich nicht erkennen kann?
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