
Wie so oft beginnt mein Tag früh am Morgen. Ich stehe auf, wenn mein Weib noch schläft. Ich küsse ihre Wange ohne zu wissen, ob sie es merkt oder nicht. Ich werfe mir mein Gewand über und lege meinen Bogen und meine Äxte an. Nur für den Fall, dass doch einmal eine Situation kommt, in der ich sie brauche. Ich richte die Felle und gehe am Zuber vorbei. Wo bliebe der Spaß am Baden, wenn mein Weib oder eine Bond nicht dabei wäre? Sobald der Zuber überwunden ist und die Hall mich erwarte, bereite ich vor, was ich an diesem oder jenem Tag zu tun habe. Diesen Morgen ging ich in den Keller und suchte die alte Feuerschale, die einst mein Großvater Reginheri schon nutzte, um eine Bondmaid zu brandmarken. Ich schichtete das Holz in ihr auf und entzündete es. Mein erstes Met war damit verdient und das holte ich mir natürlich sofort. Nachdem die Männer den Keller ein wenig umgestaltet hatten, tauchte das alte Brandeisen der Eisenbrecher auf, welches ich nun nutzen kann, um meine beiden Sklavinnen mit unserem Brandmal zu versehen.
Nach einigen Ahn in der Hall, mein Horn war längst geleert, taucht der kleine Wildfang auf, den ich passenderweise „kleine Larl“ rufe. Am Tag, nachdem ich sie bekam, hatte es die kleine tatsächlich geschafft, mich zu Boden zu werfen und mein Leben mit meiner eigenen Axt zu bedrohen. Alles für ein kleines Schmuckstück an ihrem Hals. Ein unvorsichtiger Moment. Ein Fehler, der mir kein zweites Mal passieren wird. Heute jedoch trägt sie ihren Kragen und am Ende des Tages ihr Brandmal. Ich zeige es nicht, aber sie erfüllt mich mit Stolz. Ich weiß, ihr Wille ist längst nicht gebrochen. Sie handelt, um zu überleben, aber sie hält sich an die Regeln. Sie hat gelernt richtig zu grüßen und sich den Kriegern und Weibern angemessen zu verhalten. Es wird dauern, bis sich ihre Sicht auf die Welt ihrem Verhalten anpasst und gerade deshalb halte ich es für wichtig, ihr früh das Mal zu setzen. Ich glaube nicht, dass sie damit gerechnet hat, als sie sich nur Wasser holen wollte. Sie grüßte mich, sie kniete dabei und ich verbot ihr das Wasser. Stattdessen ließ ich ihr die Wahl. Met oder Paga. Ich habe es nicht beim Namen genannt aber ich spürte sofort, dass sie den richtigen Riecher für ihre Situation hatte. Sie benannte es selbst. Sie ist klug, ohne Zweifel, aber ich glaube, sie hatte noch Hoffnung, dem zu entkommen. Dennoch wählte sie den Paga und man mag es kaum glauben. Sie trank den ersten Becher und die Wirkung schlug ein. Ich hatte mit vielem gerechnet bei ihr, doch nicht damit, dass sie nichts verträgt. Plötzlich wurde sie anhänglich, fast lästig und doch auf eine Weise reizend. Da sie nicht einmal mehr fähig war meinen Schwanz an meiner Hose zu finden, wie sie eindrucksvoll bewies, habe ich ihr den Weg erspart und sie getragen.

Als wir im Keller ankamen, wo die Kennel seit Langem als Lager dienen und nur Kerzen den Raum erhellen, legte ich sie neben der Feuerschale ab. Es dauerte nicht lange. Schlagartig wurde ihr der Ernst der Lage bewusst und ihr Fluchtreflex übernahm die Kontrolle. Nur dumm, dass der Paga ihr das Gehen erschwert hatte. Auf allen vieren kroch sie zur Treppe zurück. Ich hatte es nicht eilig, ihr zu folgen. Wir sind auf einer Insel und außer Sleens und dem Clan gibt es auf ihr nichts. Umzingelt von der Thassa ist die Flucht ein Todesurteil und das versteht selbst sie. Meine Verfolgung gestaltete sich also gemütlich. Ich musste weder laufen noch hatte ich Eile, die kleine Larl zu fassen. Ihr Zustand erledigte die Ergreifung für mich, als sie die Treppen zu erklimmen versuchte und schließlich auf der Treppe lag. Wie ein geschwächtes Tier, das sich seinem Schicksal ergibt. Eigentlich hatte ich geplant ihr einen Lederriemen zu überlassen, auf den sie beißen kann, wenn der Schmerz seinen Höhepunkt erreicht. Jetzt griff ich sie fest im lockigen Haar und stellte sie vor die Wahl. Ihre Möglichkeiten waren, sich dem freiwillig zu stellen und dafür den Lederriemen zu erhalten oder sich von mir fesseln zu lassen und auf den Lederriemen zu verzichten. Zu meiner Überraschung wählte sie die Fessel. Auch wenn ich ihr sagte, dass ich ihre Schreie in diesem Fall zu genießen würde, empfand ich keinen Genuss an ihrer reinen Qual. Trotzdem musste ich meinen Worten Taten folgen lassen. Ich nahm ihre Wahl an und ließ Taten folgen. Kein Riemen, in den sie ihre Zähne pressen konnte, nur die schmerzerfüllten Schreie einer Bondmaid, die ihr Mal vom heißen Eisen erhielt. Als es vorbei war, standen ihr die Tränen im Gesicht. Sie erbrach sich auf dem steinernen Boden des Kellers der Hall und windete sich wie ein Wurm vor mir. Ich strich ihr das Haar aus dem Gesicht, um es vom Erbrochenen fernzuhalten. Ich wischte ihr die Tränen mit dem Daumen ab und säuberte ihren Mund von den Resten, die noch um ihre Lippen waren. Sie sagte mir, dass sie mich hasste, doch hatte ich nichts anderes erwartet. Vorsichtig zog ich sie vom Erbrochenen weg, um ihr den Gestank dessen zu ersparen. Der Geruch von verbranntem Fleisch reichte vollkommen. Erst als sie ihr Bewusstsein verlor, entfesselte ich sie und trug sie in mein Gemach. Ich legte sie auf meiner Seite des Bettes ab, im Wissen, dass mein Weib sich um ihre Wunde kümmern würde und setzte mich zu ihr. Ich streichelte sie beruhigend. Ich blieb vermutlich über eine Ahn bei ihr sitzen, bevor ich mich wieder in die Hall begab und mir ein weiteres Horn voll Met gönnte. Sie trug das Zeichen von Axt und Kette. Das Mal, das den Eisenbrechern seit langer Zeit eigen war. Jetzt musste sie ruhen und die Heilung war vorrangig.
Einige Ahn vergingen. Ich hatte mich zwischenzeitlich dem Brauen gewidmet. Als ich wieder in die Hall einkehrte, war noch niemand an den Tischen. Vermutlich folgten alle ihrem Tagwerk und ich war der erste. Kommt selten vor. Ich machte es mir gerade in meinem Stuhl gemütlich, da kam Bess hereinspaziert. Sie sitzt unter dem Salz, deshalb habe ich mich zu ihr gesetzt. Sie wollte mir gerade davon erzählen, warum mein Weib ein Prachtweib ist, da öffnete sich die Tür erneut und darin stand sie. Meine Gefährtin. Wie gerufen. Plötzlich tauchte die kleine Larl auf. Hinkend, jedoch wieder munter. Nach ihr folgte der Waldschrat und die Halle füllte sich binnen kürzester Zeit. Bess schien in jenem Moment nicht mehr so redselig wie zuvor. Svea und die kleine Larl zog es in den Keller. Nicht für lange, da kam die Bondmaid mit dem frischen Brandmal wieder zurück und suchte nach der alten Heilerin. Diese hatte sich selbst auf die Suche nach dem alten Runenpriester begeben. Als ich verstand, worum es ging, musste ich schnell handeln. Ich wies den Waldschrat zu seinem Ärger an, den Tisch auf die Art eines Kriegers abzuräumen. Nur für den Fall, dass mein Weib darauf behandelt werden müsste. Die kleine Larl wies ich an, zurück zu meinem Weib zu gehen und auf sie zu achten. Bess tat dies schon von allein. Ich dagegen rannte, so schnell mich meine Beine trugen, zu Nathaira und bat sie um ihre Hilfe. Wir eilten gemeinsam zurück und sie zögerte nicht, sich um Svea zu kümmern, die hochschwanger war. In der Zeit versuchte ich den Waldschrat zu beruhigen. In unserer Situation brauchen wir ihn hier. Also tue ich, was ich tun muss.
Ich wollte natürlich zu meinem Weib, doch die humpelnde Bondmaid hielt mich zurück. Mein Weib brauche Ruhe, sagte sie. Allein die Tatsache, dass gerade sie mich zurückhält, im Sinne meines Weibes, ließ mich ihrem Rat folgen. Ich hatte genug über sie erfahren. Mir würde sie vielleicht etwas antun wollen, aber keinem Weib. Das liegt nicht in ihrer Natur. Sie ist eine Sklavin, die aus einem Ort stammt, an dem wilde Weiber unter sich leben. Sie nennt es ein Dorf und grenzt sich von den Weiberstämmen ab, aber dennoch teilt sie deren Weltanschauung. Kein Weib, das sie nicht bedroht, wäre bei ihr in Gefahr und kein Weib würde vor ihr etwas befürchten müssen. So also saßen wir nun da. Sie auf dem Fell am Boden neben mir und ich auf der Bank. Bis ich gestattete, sich zurückziehen.

Am Ende des Tages, nachdem jeder die Hall gegen die Felle getauscht hatte und selbst die exotische Bond längst verschwunden war, saß ich allein am Tisch. Nicht an jenem Platz, der mir gebührt. Ich saß ganz unten, am Fußende des Tisches, dort, wo die Niedersten und Fremde ihren Platz fanden. Vor mir stand ein noch halb gefüllter Krug mit Paga und das Fell, das eigentlich auf diesem Platz lag, war neben mir auf den Boden gefallen. Um mich herum lagen Scherben und Geschirr, so wie es der Waldschrat im Eifer des Gefechts hinterlassen hatte. Einige wenige, größere Scherben lagen vor mir auf dem Tisch. Die kleine Larl hatte sie dort abgelegt, bevor ich ihr befahl, das Aufräumen sein zu lassen, damit ihre frische Wunde nicht unnötig belastet wurde. Ich starrte in mein eigenes Spiegelbild im Paga und mein Blick war ernst. Ernster als sonst. Nachdenklicher als sonst. Es dauerte eine Weile, bis ich den Rest des Kruges leerte. Sorge, Wut und Unsicherheit vermischten sich in mir und irgendwann flog der leere Krug gegen die Wand. Auch er zerbrach und landete in Scherben auf meinem Boden. Was machten schon ein paar Scherben mehr? Einige Ihn hielt es mich noch auf der Bank, dann erhob ich mich und blickte auf das Chaos zu meinen Füßen. Zuerst richtete ich das Fell wieder an seinen Platz, dann ging ich in die Küche und suchte mir einen Besen. Gemächlich kehrte ich die Scherben zusammen, bis sie nach mehr als einer weiteren Ahn auf einem Haufen lagen. Ich holte einen Eimer und begann, die Scherben mit den Händen hineinzulegen. Eine davon schaffte, was die meisten Krieger nicht schaffen und schnitt mir die Hand auf. Ich betrachtete das Blut und zuckte nur mit der Schulter. Die Arbeit musste getan werden und wer sollte sie tun, wenn nicht ich? Also machte ich einfach weiter. Als nur noch etwas Staub und winzige Splitter übrig waren, brachte ich den Besen zurück in die Küche und trug den Eimer mit den Scherben hinunter in den Keller. Dort fiel mein Blick auf die Kiste mit den Pfeilen. Die kleine Larl hatte mir erzählt, was mein Weib noch vorgehabt hatte und bevor Svea auf die Idee kam, in ihrem Zustand selbst eine schwere Kiste durch den Wald zu schleppen, würde ich es eben tun. Ich trug die Kiste hinauf in die Hall und stellte sie kurz ab. Meine Hand blutete immer noch. Also ging ich zum Becken, an dem sich zuvor Bess und der Waldschrat gewaschen hatten, tauchte meine Hände ins Wasser und entfernte zumindest den sichtbaren Dreck. Danach hob ich die Kiste wieder an und machte mich auf den Weg zu Baljaros Höhle. Für eine Fackel war keine Hand mehr frei. Dann musste es eben ohne gehen. Es dauerte nicht lange, bis ich die Pfeile neben dem Feuer am Höhleneingang abstellen konnte.

Auf dem Rückweg war das Blut an meiner Hand längst getrocknet, als ich plötzlich etwas hörte. Schnelle Bewegungen im Wald, die sich näherten. Ich zog meine Äxte vom Gürtel und bereitete mich darauf vor zuzuschlagen. Erst im letzten Moment erkannte ich Linus. Erleichtert atmete ich durch, doch mein Herz raste noch immer. Ich hatte mit anderem Getier gerechnet als mit dem Lart. Meine Erleichterung hielt nicht lange. Linus brach seine Wiedersehensfreude plötzlich ab, stellte sich vor mich und knurrte in den Wald. Ich folgte seinem Blick und hielt meine Äxte bereit. Der Bogen war bei Nebel und Dunkelheit nutzlos und Feuer hatte ich keines bei mir. Alles wurde still. Dann sah ich eine echsenhafte Bewegung zwischen den Bäumen. Eine zweite folgte. Sleens! Ich pfiff Linus zur Flucht und lief los. Er zögerte einen Augenblick, folgte mir dann aber. Hinter uns kamen die ausgehungerten Jäger, die uns längst als ihr nächstes Festmahl ausgemacht hatten. Einer der Sleens setzte dazu an, mir den Garaus zu machen, doch Linus sprang dazwischen und lenkte das Tier von mir ab. Ich hörte ein Winseln und blickte zurück. Der Lart blutete und einer der Sleens stand über ihm. Ich blieb stehen und warf eine meiner Äxte auf das Tier, um Linus die Flucht zu ermöglichen. Die zweite schleuderte ich dem Sleen entgegen, der mir selbst bereits an den Fersen hing. Ein dumpfer Schlag hielt meinen Verfolger für einen Augenblick auf. Mehr brauchten wir nicht. Wir gewannen genug Vorsprung, um die rettende Hall zu erreichen. Ich riss die Tür auf und stolperte beinahe hinein. Linus hechtete den letzten Meter hinter mir her und kaum war er durch die Tür, schlug ich sie zu und presste mich dagegen. Ein dumpfer Schlag ließ das Holz erzittern, als draußen einer der Sleens dagegen donnerte. Ich setzte den Riegel vor und atmete erst dann erleichtert auf. Die Wunde an meiner Hand blutete wieder. Als ich zu Linus hinabsah, bemerkte ich, dass auch er an der Vorderpfote verletzt war. Auf derselben Seite wie ich. Ich grinste ihn an, als ich ihm sagte, dass wir nun Waffenbrüder sind. Wir waren sicher und sind den Sleens nur knapp entkommen. Meine Äxte lagen noch irgendwo dort draußen, als Mahnmal für die Gefahr, vor der uns der Waldschrat gewarnt hatte.
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