
Svea wollte schon lange auf Reisen gehen. Schon bevor sie meine Gefährtin wurde, habe ich ihr zugestimmt. Sie ist jung und will die Welt sehen. Sobald unser erstes Kind geboren wird, werden wir nicht mehr viel Zeit dazu finden. Also schlug ich ihr vor, die Eiseninsel zu besuchen. Die Heimat der Eisenbrecher. So lernt sie meine Familie kennen. Doch wie so oft, kommt alles anders als erwartet.
Die eiserne Verr war nicht da, also reisten wir wie jeder andere mit einem Schiff des Clans dorthin. Die Insel ist fast durchgehend mit Nebel überzogen. Man will kaum glauben, dass dort Leben herrscht. Als wir ankamen, zeigte ich ihr meine Hütte. Natürlich auch meinen Vorrat an Alkohol aller Art. Sie sollte sich erstmal ausruhen nach der langen Reise zur Eiseninsel. Was mich verwundert hatte, war die Tatsache, dass die eiserne Verr nicht am Anlegeplatz war. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht genau, was los war. Jedoch hat sich das am nächsten Morgen schnell geändert. Reginheri, der Vater meines Ziehvaters und damit mein Großvater war tot. Lediglich mein Vater Björn und seine neue Bondmaid Red waren auf der Eiseninsel. Reginheri war alt aber als ich ihn zuletzt sah, machte es nicht den Anschein, dass sein Serum nachließ. Ein guter und ehrlicher Mann, der sich nie unseren Raubzügen im Süden anschloss. Er war ein Mann des Friedens, wenn auch ein großartiger Kämpfer. Immerhin hat er meinen Vater Duncan im ehrlichen Duell zu einem Unentschieden gezwungen. Sein Platz in Valhalla ist ihm sicher.
So wird mein Weib also diesen großen Krieger nicht mehr treffen. Auch Enya wird ihren Großvater nicht mehr kennenlernen dürfen. Bis zur Bestattung vergeht noch einige Zeit. Enya wird der Bestattung beiwohnen. Sie kannte ihn nicht aber als Teil unserer Sippe soll sie ihm die letzte Ehre erweisen. Wie ich anfangs schon sagte, kommt es manchmal anders als erwartet. So ist es auch mit meiner Schwester, die Björn als Ziehtochter adoptiert hat. Natürlich wollte ich wissen, wo die anderen sind. Mein Vater sagte mir, dass die anderen ausgezogen sind, um alle Eisenbrecher über den Tod von Reginheri zu informieren, die nicht auf der Eiseninsel leben. Ich bin ihnen wohl zuvorgekommen.

Nachdem erst vor kurzem meine Waffenbrüder Konrad und Sören den Tod fanden, starb nun auch Reginheri. Das ist kein gutes Zeichen. Schwere Zeiten stehen den Eisenbrechern bevor. Dennoch, das hat uns die Vergangenheit gelehrt, folgt auf jede schwere Zeit wieder eine gute Zeit. Ich bin zwar jetzt ein Krieger des Clans der Fehu Isa aber meine Gedanken sind bei meiner Sippe.
Zurück in Fehu Isa und das Übel nimmt kein Ende. Es sollte eine Zeit folgen, in der ich trauere. Jedoch wird mein Geist gefordert also muss das Trauern warten. Während mein Weib uns ankündigte, war ich noch damit beschäftigt ihre Kiste voll Gepäck in unsere Hütte zu schleppen. Bei Odin, sie hat noch nicht mal die Hälfte davon gebraucht, wozu nimmt sie soviel mit? Allerdings habe ich es mir nicht nehmen lassen die Hall zu besuchen. Außer Enya und meinem Weib war niemand mehr da aber wer will es ihnen verdenken? Es war spät und der Tag im Clan ist voll von Arbeit. Also hab ich meine Schwester gefragt, was es Neues gibt. Was ich dann erfahren musste, machte mir klar, dass meine Anwesenheit wichtiger denn je war.
Enya kam mir in dem Moment komisch vor, in dem sie damit anfing erstmal nach meinem Befinden zu fragen. Was soll ich anderes Antworten als dass es mir gut geht? Doch dann rückte sie mit der Sprache heraus und ich wusste sofort woher der Wind weht. Jarl Valon will sie wohl doch wieder als Gefährtin an seiner Seite haben. Ich weiß, dass sie sich genau das wünscht. Vielmehr, dass ihre Nähe zu Eldar gesichert ist, als sein Weib zu sein. Wie dem auch sei. Damit kann ich leben. Die andere Sache jedoch weckt in mir alles andere als Freude. Sie sagte mir, dass plötzlich Siam, der Slaver und Bruder des Jarls ihr Ziehvater sei, weil er und sein Weib sie stets als Ziehtochter sahen. Ich musste mich wirklich einen Moment lang zusammenreißen aber habe mir nichts anmerken lassen. Mein Weib hingegen hat sofort den Braten gerochen. Sie war empört und meinte, dass man glaube, meine Familie sei nicht gut genug für das Weib des Jarls. Das könnte es natürlich sein. Mein Vater raubt und plündert im Süden wo immer er will und er entert Schiffe auf der Thassa. Zwar nur Schiffe von Südwürmern und Piraten aber ja, das macht unsere Sippe trotzdem zu Piraten.

Die Geschichten erzählen vom Schatten der Thassa und dass wir besonders Grausam vorgehen, ist wahr. Meine Familie zu beleidigen ist allerdings auch eine Beleidigung, die mich trifft. Enya soll jetzt also die Tochter eines anderen sein? Das wird mein Vater nicht akzeptieren und darüber werde ich mit dem Jarl sprechen müssen. Ich hoffe, dass es sich hier nur um ein Missverständnis handelt. Valon selbst gab, wenn er auch nicht zufrieden damit war, seinen Segen zur Adoption. Er übertrug mir selbst die Vormundschaft für Enya als meine Schwester. Beim Barte meines Vaters, ich wünsche mir, dass die Sache geklärt ist, wenn ich ihnen das Sage. Andernfalls weiß ich schon jetzt, was passieren wird.
Björn ist ein Mann, der trotz aller Geschichten, zu seinem Wort steht. Sie wissen es nicht, aber wo ich bin, kann man sich sicher sein, dass er diesem Ort stets beistehen wird. Spricht man ihm etwas ab, wie die Vaterschaft zu Enya, wird er das als Angriff verstehen und dann ist es nicht Enya, nicht Valon oder sein Bruder der zwischen den Stühlen sitzt. Ich werde es sein, der gegen seine Sippe stehen muss, um den Schwur zu erfüllen. Ich werde es also auch sein, der es nicht soweit kommen lassen wird. Die Fehu Isa sind meine Familie, aber die Eisenbrecher sind es auch. Wie es in einer Familie so ist, gibt es immer wieder mal Unstimmigkeiten. Manche lassen sich mit Worten regeln, andere mit den Fäusten. An mir soll es nicht scheitern.

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