Kein Korn, kein Brot

Es ist schon ein paar Tage her, dass ich die Zeit fand meine Gedanken klar zu ordnen. Eine Sorge jagt die andere, eine Arbeit folgt der nächsten. Svea und ich haben uns in der kurzen Zeit, die uns verbindet, nur wenig gesehen. Ich bin zu sehr mit den Feldern beschäftigt. Sie mit ihrer Arbeit als Heilerin. Seit Tagen wollen wir reisen aber die Not hält uns hier.

Das Sa-Tarna wächst mäßig. Wir haben es viel zu spät ausgesät. Die ganze Mühe war jedoch umsonst. Es war verschwendetes Saatgut und die Schuld liegt bei mir. Ich habe gehofft, dass der Kot unserer Tiere das Feld retten würde, aber selbst das war Verschwendung. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als das Feld zu räumen. Aleiga muss noch einmal in diesem Zyklus mit Manni dem Boskbullen ran und das Feld pflügen. Danach werden wir die Erde mit weiterem Kot und Mist nähren. Im Herbst fängt der Kreislauf von vorne an und nichts wird die Ernte im nächsten Zyklus mehr aufhalten können.

Da gibt es aber weit mehr. Enya wurde von meinem Vater adoptiert. Natürlich ist Valon ihr Vormund, solange er nichts anderes entscheidet. Als wir es ihm sagten nahm er diese Information gefasster auf als ich erwartet hatte. Seit Sunja und ich sie von Fenrir geholt haben, hat sich zwischen uns ein Band entwickelt. Keines wie ich mit meinem Weib teile und doch ist da etwas entstanden von Respekt und Verständnis. Sie hat keine Sippe, so erzählte sie mir. So wie ich einst, bevor Björn mich fand. Er nahm mich damals in seine Familie auf, so wie er jetzt Enya aufnahm. Damit ist sie meine Schwester, doch ob ich die Rechte erhalte, die einem Bruder zustehen liegt noch immer in der Hand unseres Jarls.

Danach sagte ich ihm, dass die Ernte ausfällt und das Sa-Tarna nicht rechtzeitig reift. Er gab mir Merle für eine Hand. Eine Geste seinerseits die ich zu schätzen weiß. Sie kennt den Lagerbestand und jedes Gesicht in unserem Dorf. Es gibt keine bessere Bondmaid als sie an meiner Seite bei dieser Aufgabe. Nachdem wir das Lager gemeinsam besichtigt haben, gilt es jetzt das Richtige zu tun. Ich habe mir ein Bild der Lage gemacht und werde meinem Jarl eine Empfehlung geben. Was mich beunruhigt sind die wilden Vorhaben die am Feuer besprochen wurden. Gut, dass ich rechtzeitig da war. Der Jarl sagte er plane die Handelsreisen mit uns, nicht jeder für sich. Gerwins schnelles Einlenken in diese Richtung spricht für ihn. Was noch mehr für ihn spricht ist die Tatsache, dass er uns den Pflug überlässt, den er für Draugr Fjord geschmiedet hatte. Ein neuer Pflug am Geschirr des Boskbullen wird uns die Arbeit erleichtern.

Doch da ist noch eine andere Sache. Ich werde dem Fischer Anteo noch einen Besuch abstatten und mit ihm reden. Er mag noch immer keinen Schwur geleistet haben, doch diese Sache betrifft auch ihn. Ich bin gespannt was er sagen wird, wenn ich ihn aufsuche.

Am Ende sind es viele Ereignisse, die sich überschlagen und nur wenig Zeit, um für Ordnung zu sorgen. Unser Augenmerk sollte der Beschaffung von Vorräten für den Winter gelten. Was mir an der Sache gefällt ist die Tatsache, dass ich bald wieder die Thassa bereisen kann. Nicht zum Plündern und Rauben aber mit meinem Weib an meiner Seite und im Auftrag des Jarls. Sollte er entscheiden, dass ich in Fehu Isa bleibe, werde ich mich aber auch dieser Aufgabe beugen und ihn in der Sache mit dem Korn beraten wo immer ich kann. Immerhin dürfen wir nicht vergessen. Jede Reise auf der Thassa ist ein kurzer Moment der Freiheit, doch der Winter naht!

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