
Es kam uns vor wie eine Ewigkeit. Denke ich jedoch zurück, war es nur ein kurzer Augenblick. Ein Zyklus nahm sein Ende, ein neuer findet seinen Anfang. Als ob man einen Stein übers Wasser hüpfen lässt. Es war nur der erste Sprung von vielen und je mehr Sprünge folgen, umso kürzer erscheinen sie uns. Entgegen der Hoffnung meines Weibes kamen viele, um unserer Gefährtenschaft beizuwohnen. Sogar Nathaira beehrte uns. In letzter Zeit sehe ich die alte Ost oft und manchmal habe ich den Eindruck, dass die Nornen unsere Wege mit Absichten kreuzen lassen, die mir nicht schlüssig sind.

Da standen wir also. Talena hat meine Kleider rechtzeitig fertiggestellt. Das kleine Biest hat es also geschafft. Dennoch galt es den letzten Schritt in einen neuen Abschnitt unseres Lebens zu gehen. Ich gehöre nicht zu den Jüngsten aber es war das erste mal, dass ich ein Weib zu meiner Gefährtin mache. Ich gebe zu, dass es mich Überrascht hat, als Valon das Wort an uns übergab. Jemand im Clan hätte mich gerne warnen dürfen, dann hätte ich mich vorbereitet. Das gute an der Sache war, das Svea den Anfang machen musste. So konnte ich die Gelegenheit nutzen und mir zumindest kurz ein paar Worte zurecht legen. So dachte ich jedenfalls. Sie sagte mir klar, was sie mir nicht Schwören wird. Einer der Gründe, für die ich sie liebe. Doch dann erzählte sie von unserem Gespräch nach dem Opferfest und der Geschichte mit den Herzen. Sie sagte mir, dass sie mir ein Stück ihres Herzens schenkt und nach jedem Sturm der uns erwartet, wird sie es wieder tun und meine Wunden verschließen. Ihre Worte sorgten dafür, dass ich keinen Gedanken fassen konnte.
Nun war ich an der Reihe und ich sah sie einfach kurz an. Jede Begegnung mit ihr schoss mir durch den Kopf. Jedes Gespräch, jeder Moment und jeder kurze Einblick, den sie mir in ihr bisheriges Leben gewährt hatte. Von den scheinbar Harmlosen bis hin zu den kurzen Intimen Augenblicken, in denen das Verlangen nach uns niedergerungen werden musste, um die Ehre zu bewahren. Ich zählte ein paar wenige davon auf und schenkte ihr ebenso ein Stück meines Herzens. Ich sagte ihr, dass ich damit jene Lücke füllen wolle, die sie schon zu lange in sich trug. Vielleicht hätte ich Skalde werden sollen. Ich meine gehört zu haben, wie der Skalde Aris den Titel der Geschichte vom perfekten Herzen benannte.
Es geht also weiter. Der nächste Abschnitt der Zeremonie beschrieb unsere Fürsorge für einander. Der Jarl rief Aleiga und sie kam mit einem Horn voll Met und einem Band in der Hand. Sie reichte das Horn und Svea schien in diesem Moment nervös zu sein. Sie nahm das Horn und auf Anweisung des Runenpriesters Jarl Valon, sollte sie mir einen Schluck davon einflößen. Ich beugte meine Knie einwenig und gewährte ihr etwas Hilfe dabei. Natürlich gönnte ich mir einen etwas größeren Schluck als vielleicht gedacht war. Den Met brauchte ich. Meine Kehle war schon ganz trocken. Anschließend sollte ich es ihr gleichtun. Ich ging dabei sehr behutsam vor. Ich meine, warum den guten Met an die Thassa verschwenden? Kein tropfen darf verloren gehen, so einfach ist das.
Schließlich folgte der Teil, auf den ich gewartet hatte. Das Schwert der Ahnen das Valon mir reichte, um es meiner Gefährtin zu geben. Es soll eines Tages an unseren erstgeborenen Sohn übergeben werden, sobald er alt genug ist ein Schwert zu tragen. Eine schöne Klinge. Gerwin hatte sich damit selbst übertroffen. Allerdings schien es meinem Weib etwas zu schwer zu sein. Sie konnte es gerade noch umlenken, so dass sich die Spitze der Klinge lediglich leicht in den Steg bohrte. Ein witziger Moment und einer, in dem Valons eingreifen keine schlechte Idee war.
Damit gingen wir in die letzte Phase der Zeremonie über. Aleiga reichte Valon das Band. Svea sollte ihm die linke Hand, ich die rechte Hand entgegen halten. Damit verband er uns als Symbol für das unsichtbare Band, das uns künftig zusammen halten wird. Es war nur ein kurzer Moment aber vielleicht der Wichtigste der Zeremonie. Der letzte Sprung des Steines, der unseren Bund als Gefährten besiegelte und damit die Zeit einläutete, in der ein neuer Stein geworfen wird. Ein Stein, der seinen ersten Sprung gerade geschafft hatte und dessen zweiten er gerade vollführt.

Zur Feier brauche ich nicht viel zu sagen. Wie auf jeder Feier floß der Met und Essen gab es im Überfluss. Allerdings kann ich viel zu dem Weib Sagen, dass nun an meiner Seite steht. Jene, die sich den Traditionen bewusst ist und dennoch den Mut hat einen neuen Weg zu gehen. Sie wählte nicht den Runenberg als Ort an dem die Zeremonie stattfindet. Sie wählte die Thassa. Sie weiß um meine Vergangenheit und sie weiß, dass die Thassa für mich der Inbegriff von Freiheit ist. Deshalb wählte sie den Ort aus. Noch bevor sie in mein Heim zog, sorgte sie für mein Wohlbefinden und respektierte meine Natur. Ich lebe aus einer Entscheidung heraus das Leben, das sie schon ihr ganzes Leben lang kennt. Doch sie gab mir einen Moment lang das Leben zurück, das ich kenne und liebe. Nathaira benannte es richtig als sie sagte, dass sich das Land und das Wasser vereint. Svea jedoch sagte nur, sie wolle mir dies zu unserer Gefährtenschaft schenken. Ein beiläufiger Satz mit viel mehr Wirkung als ihr vielleicht selbst bewusst war.
Jetzt beginnt es also. Der erste Schritt ist getan, auf dass viele weitere Schritte folgen mögen.
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