Ab ins Bett!

Es war Nacht als ich zu mir kam. Die Monde standen noch hoch am Himmel und der Nebel der Thassa erdrückte das Land vor dem Tor der Fehu Isa. Ich kämpfte gegen die schwere meiner Augenlieder an. Das Ziel war so nah und doch schien es mir so Fern zu sein. Ich hatte viel Blut verloren aber konnte jetzt nicht mehr aufgeben. Dennoch muss ich in Ohnmacht gefallen sein. Es kam mir vor als hätte ich nur kurz meine Augen geschlossen und als ich sie öffnete, war es Hell und die Sonne strahlte mir ins Gesicht.

Svea kam auf mich zu mit drei Wachen an der Zahl. Sie hoben mich an und brachten mich ins Dorf. Natürlich wollte ich nicht zeigen, dass ich Geschwächt war und versuchte mein Grinsen zu erhalten. Keine leichte Aufgabe. Ich brauchte eine Pause und die Männer setzten mich auf die Bank am Dorfplatz. Svea war wenig begeistert. Sie drohte mir, dass sie mir das ein Leben lang vorhalten würde, hätte ich das für sie getan. Ich versuchte weiterhin zu grinsen. Natürlich tat ich es für sie! Ich habe kein Kupfer oder andere Tauschmittel, um ihr ein Geschenk zu machen. Ich habe nur wenige Dinge zu bieten. Mein Wort, meine Axt und den Clan in dem wir beide Leben. Also benutze ich auch genau diese Dinge. In diesem Fall waren es meine Äxte, die ich nutzte um ihr ein Geschenk zu besorgen. Zwei gute Männer mussten dafür sterben.

Sie half mir meinen Umhang loszuwerden. Er war eine Last für mich. Wer hätte gedacht, dass ein Pelzumhang jemals so schwer wiegen könnte? Doch da war immer noch der Pfeil, der meine Schulter durchbohrte. Ich hatte Glück. Er durchdrang nur das Fleisch und verfehlte das Schulterblatt knapp. Die Männer brachten mir Met. Einen ganzen Krug davon! Auf Anweisung der jungen Heilerin. Ich konnte den Krug kaum heben also schlürfte ich soviel ich konnte davon. Danach ging es weiter den Weg zur Heilerei hinauf. Kein leichter Gang aber ich wollte ihn ohne Hilfe bewältigen. Ich habe natürlich die Männer bemerkt, die sich hilfsbereit hinter mir hielten aber ich habe es geschafft. Ein gutes Zeichen in Anbetracht meines Zustandes. In der Heilerei angekommen, saß ich auf der Liege. Die Krieger gaben mir mehr Met, dann wurden sie von Svea der Heilerstube verwiesen.

Bevor sie losgelegt hat, habe ich das Geschenk hervorgeholt, das Björn mir zugesteckt hat. Ein wertvolles Schmuckstück. Ich sah es nun selbst das erste mal wirklich. Doch ich erkannte sofort seinen Wert. Wie zu erwarten, war sie wenig begeistert aber ich bin sicher, wenn sie sich erstmal beruhigt hat, wird sie gefallen daran finden. Ich stelle mir vor, wie wir eines Tages die ganze Geschichte unseren Kindern erzählen aber bis dahin ist es noch ein langer weg. Jetzt gilt es gegen die Kälte anzukämpfen, sonst wird niemand die Geschichte erzählen können.

Sie zerschnitt also meine Oberkleidung um die Wunde freizulegen. Ich nahm etwas Leder davon, um darauf beissen zu können, sobald es ernst wurde. Ich wusste was jetzt kommt. Ich wusste auch, dass es mir nicht gefallen würde. Svea entdeckte die tiefe Wunde am Oberarm aber ich war Froh, dass ich den Pfeil loswerde. Der leichte Teil war das Entfernen des hinteren Teils des Pfeils. Der qualvolle Akt folgte. Sie musste mehrmals vorne anziehen bevor sie den Rest des Pfeils aus mir heraus bekam. Ich habe dagegen angekämpft. Ich dachte an die Qualen, die der Blutadler verursacht und wie gering der Schmerz dagegen ist, den ich in diesem Moment fühlte. Es half nichts. Egal wie stark ich auf das Leder biss, ich konnte den Schrei nicht unterdrücken.

Es war eine Wohltat als es vorbei war. Ich brauchte einen Moment Pause. Ich musste tief durchatmen bevor ich mich von der Liege erheben und ihr folgen konnte. Schließlich sah ich ein letztes mal auf das Schmuckstück, das zwischen den Tüchern lag und folgte ihr mit frischen verbänden ins hintere Zimmer. Sie lenkte meinen Weg ins dortige Bett und bedeckte mich mit Unmengen von Fellen. Sie stellte eine Feuerschale auf, um mich Warm zu halten. Ich hingegen konnte endlich loslassen. Meine Augenlieder durften endlich fallen und mein Körper ruhen, um zu genesen.

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