Zur richtigen Zeit

Ich scheine zum richtigen Zeitpunkt aufgekreuzt zu sein. Wie sich jetzt zeigt, ist die Lage ernst und der Fehu Isa Clan braucht jede nur erdenkliche Axt an seiner Seite. Je länger ich hier bin und je mehr ich erfahre umso schwerer wiegen die Probleme. Eine aufgelöste Gefährtenschaft, eine verzögerte Aussaat und jetzt folgen die Wilden. Ein Feind den ich nicht kenne aber mein Vater kannte sie sehr wohl. Ich kenne die Geschichten und bin mir Bewusst welche Gefahr sie mitbringen. Auch wenn ich es nach außen nicht zeige.

So habe ich heute erfahren, dass es ernster ist als Gedacht. Meine Mühle liegt außerhalb des Walls aber auf dem Schiff gab es auch keinen Wall. Ich habe die Mühle begutachtet und mir ein bild gemacht, wie ich sie zu einem Vorteil im Kampf machen kann. Die Schiebetür ist die Schwachstelle. Die Pfeile hält sie nicht ab. Ich muss Fässer davor platzieren, damit diese die Pfeile abfangen, bis der Feind nah genug ist, um die Klinge meiner Axt zu spüren. Elin, die ich eigentlich zurückgeben wollte, behalte ich vorsichtshalber nun doch noch. Sie muss ins Dorf fliehen, sollte ich mich den Wilden stellen müssen und dort Lärm machen. Die Krieger werden wissen was dann zu tun ist.

Ich hoffe sie hat diesen Plan verstanden. Was ich allerdings in der Hall hören musste von unserem Jarl beschert mir Unbehagen. Ein freies Weib am Kragen ist mir nicht geheuer. Vor allem, wenn sie es nicht verdient hat. Eothret sprach davon wie die Wilden zu denken. Ich folge meinem Jarl, wenn er dies verlangt aber ich bin ein Krieger aus dem Torvaldsland und hoffe mich auch so verhalten zu dürfen. Er aber hat mir zu verstehen gegeben, dass er ein Jarl ist, der seine Krieger einbindet, in seine Entscheidungen. Das respektiere ich. Als alles gesagt war ging ich zuerst in die Mühle zurück.

Ich stellte ein paar Fässer um, so, dass ich im Schlaf keine Überraschung erlebe. Elin, mein Mädchen auf Zeit schlief bereits. Ich lies sie. Auf ihr lastet druck, denn sie kennt ihre Rolle bereits und diese ist nicht ungefährlich. Sie ist stets bemüht ihre Arbeit zu tun und zeigte keine Angst bei meinen Worten. Ich finde mehr und mehr gefallen an ihr. Eine Bondmaid, die es versteht zu arbeiten , zu servieren und in den Fellen zu dienen. Es wird mir schwer fallen sie zurück in die Brauerei zu schicken.

Ich habe versucht zu schlafen. Es fiel mir schwer. Die Gedanken kreisten und mehr und mehr wird mir Bewusst, dass Odin mich zu diesem Clan geschickt hat. Ich verstehe was mein Vater an diesem Clan fand, dass er ihn als Freund sah und ich glaube ich bin genau da, wo ich sein soll. Ich stehe also auf und gehe noch einmal ins Dorf. Da sehe ich, dass die Weiber noch immer in der Brauerei saßen. Ich habe mich hinzugesellt. Es waren zwei Weiber also wird es niemanden stören, wenn ich ihnen Gesellschaft leiste. Allerdings war dieses Vergnügen nur von kurzer Dauer.

Ich sah etwas im Augenwinkel vor der Brauerei huschen. Es hat nicht gerade so gewirkt als wollte es gesehen werden. Gerade in der jetzigen Situation kann ich das nicht ignorieren. Ich forderte also lautstark, dass sich der Schleicher zeigen soll aber Reaktionen blieben aus. Ich konnte mir das nicht einbilden. Die Weiber Johanna und Jelena haben es auch bemerkt also musste ich Ruhe bewahren. Ich griff nach meiner Axt und stapfte vor die Tür. Meine Schritte waren schwer aber Zielgerichtet. Ich baute mich draußen auf und brüllte dabei laut. Ein Feind in Angst zögert im Kampf.

Da stand Gerwin vor mir und lachte. Bei Odin, der ist mir lieber als diese Wilden. Schnell wurde aber klar, dass er nicht verantwortlich war. Es gab einen Schleicher. Gerwin meinte ihn gemeinsam zu verfolgen aber die Weiber jetzt allein zu lassen hielt ich für keine gute Idee. Wir entschieden, dass er auf sie aufpasst und Jelena hat die einzig richtige Entscheidung getroffen, die Brauerei zu schließen und verriegeln. So waren Jelena und Johanna sicher in dieser, Gerwin vor der Tür als Wachposten und ich nahm die Fährte auf.

Meine Bewegungen waren langsam, meine Augen umsichtig in der Dunkelheit und meine Axt bereit einen Schädel zu spalten. Eine Mischung aus Unbehagen und Jagdlust keimte in mir auf. Ein Gefühl das ich lange nicht gespürt habe und das mir ein Kribbeln im Bauch verpasste. Da! Eine Bewegung und ich folgte ihr. Noch eine Bewegung und die Richtung war klar. Es rannte zur Hall und damit an einen Ort, wo der Schein des Feuers es entlarven wird. Ich lachte laut während ich es verfolgte und so wie ich es mir dachte, sah ich sie in der Hall.

Ein Mädchen. Scheu, Verängstigt und wie sich zeigte auch noch ohne echte Sprachkenntnisse. Es ist eine Barbarin und bei Odin ich frage mich wirklich, wo diese Dinger immer wieder hergezogen werden. ich kenne dieses Pack. Schwächlich und Dumm. Die Geduld die man aufbringen muss, bis sie zumindest das können, was sie sollen lohnt sich oft nicht.

Sie gehört dem Clan also ist erschlagen ausgeschlossen. Ich schob meine Axt wieder an den Gürtel und wendete mich dem wärmendem Feuer zu. Sie glaubte wohl sich verstecken zu müssen. Sinnlos aber wer soll diese Barbaren schon verstehen. Ich schob ihr Essen hin und wandte ihr den Rücken zu. Ich ignorierte sie einfach. Dennoch warf ich immer wieder einen Blick in ihre Richtung. Lang genug um zu beobachten und kurz genug um ihr keine Aufmerksamkeit zu schenken. Sie wagte sich vor und sie grüßte sogar. Daran erkannte ich auch, dass sie mich nicht versteht. Ihr Akzent war Markant.

Ich lies die Situation kurz wirken und ging dann. Sie war keine Gefahr, sie war einfach Dumm und Scheu. Auf dem weg in meine Mühle gab ich an der Brauerei bescheid, dass es sicher ist. Ein kurzes Gespräch mit den Weibern folgte und schließlich die Einkehr in mein immer noch neues Zuhause. Ich gewöhne mich langsam daran, dass mein Fell nicht Schaukelt. Also schlief ich schnell ein.

Mein Schlaf war nicht von langer Dauer. Es war Nachts, alles war still draußen und Elin Schlief fest. Ich glaubte etwas gehört zu haben. Ich erhob mich. Meine Hände griffen nach beiden Äxten. Ich trat aus der Mühle und sah gen Wald. Ich fühlte die Anspannung, die meinen Körper durchdringt. Von der Dunkelheit umgeben schritt ich in Richtung des Waldes. Ich bin unsicher aber Aufmerksam. Bereit für den Kampf aber auf verlorenem Posten. Der frische Wind pfiff mir um die Ohren und trug den salzigen Duft der Thassa in meine Nase. Ich verweilte einige Ehn lang, in die Finsternis starrend, vor dem Wald. Nichts. Absolut nichts und doch hatte ich das Gefühl, dass Blicke mich trafen. Ich kehrte zurück zur Mühle und warf noch einen Blick auf Elin. Ich schmunzelte über ihren tiefen Schlaf und begab mich wieder in meine Felle zurück. Dennoch blieb der fade Beigeschmack. Die Gedanken kreisten und wieder wurde mir klar, dass ich zur richtigen Zeit in diesem Dorf erschienen bin.

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